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Dschibuti, das Tor zu Ostafrika

(Artikel aus Mediterranes 2/2013)

Wer versucht, Dschibuti auf der Weltkarte zu finden, entdeckt es nach einiger Suche eingeklemmt zwischen Äthiopien, Eritrea und Somalia am Horn von Ostafrika. Dieser kleine Flecken Erde von der Größe Hessens und der Einwohnerzahl Frankfurts, der zu den heißesten Orten auf der Welt gehört, spielt eine zentrale wirtschaftliche, politische und militärische Rolle in der Region und darüber hinaus.

Diese gewichtige Rolle Dschibutis ergibt sich aus drei Aspekten, die Dschibuti gezielt in Wert gesetzt hat: seiner geostrategischen Lage am Eingang zum Roten Meer, seinem modernen Freihandelshafen, der das Tor zu Ostafrika bildet, und seiner pragmatischen Politik, die es geschafft hat, das Land in einer unruhigen Region stabil und offen für Handel zu halten. Diese Kombination macht das Land zu einem zentralen Waren- und Personenumschlagplatz in der Region, mit kontinuierlich steigenden Investitionen.

Dschibuti liegt an der meist befahrenen Schifffahrtsstraße der Welt. Bereits heute muss jeder vierte Öltanker, der auf den Weltmeeren unterwegs ist, Dschibuti passieren. Von den 17800 Schiffen, die 2011 den Suezkanal durchquerten, stoppten 1500-2000 in Dschibuti.

Äthiopien, eines der wachstumsstärksten Länder in Afrika mit Wachstumsraten von über 10%, wickelt 85% seines Außenhandels über Dschibuti ab. Allein 95 % der Güter nach Äthiopien werden über die Straße von Dschibuti nach Addis abgewickelt. Über 4000 LKWs sind täglich unterwegs zwischen dem Hafen von Dschibuti und den Märkten und Produktionsstätten in Äthiopien. 1300 Container werden jeden Tag von Dschibuti nach Addis Abeba transportiert. Derzeit ist ein Ausbau der von den Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts erbauten Bahnlinie geplant, sowie eine Pipeline, die Äthiopien mit Dschibuti verbindet. Der Bau der Straße wird von einer chinesischen Konstruktionsfirma durchgeführt und soll in zwei Jahren fertig sein.

Die wirtschaftliche Bedeutung Dschibutis wird nur übertroffen von der militärischen Bedeutung, die sich auch aus der Lage und der Geschichte ergibt. Frankreich, das Dschibuti 1977 in die Unabhängigkeit entließ, unterhält dort nach wie vor seine größte Militärbasis in Afrika. Die Vereinigten Staaten haben in Dschibuti ihre einzige Militärbasis auf dem afrikanischen Kontinent und Japan seine einzige Auslandsmilitärbasis überhaupt. Seit 2001 ist auch die Bundeswehr in dem Land vertreten, mit der EU-Mission Atalanta, die sich von dort aus gegen die Piraterie einsetzt. Die Militärpräsenz führt auch zu einem gesteigerten inter- nationalen Interesse an stabilen Verhältnissen im Land.

Die modernsten Häfen Ostafrikas

Der 2009 neu eingeweihte Hafen ist der modernste und größte in Ostafrika und trägt entscheidend zu dem Wirtschaftswachstum des Landes von über 5% bei, das selbst von der Finanzkrise weitgehend unbeeinflusst blieb.

Insgesamt wurden 2010 in den drei Häfen: dem modernen Containerhafen Djibouti, dem 11 km entfernten Doraleh (Erdöl-Terminal) und dem kleineren Hafen von Tadjourah 6,024 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Davon 5,096 Millionen als Transit von/nach Äthiopien.

Die Häfen von Dschibuti und Doraleh verfügen über Freizonen. In der Freihandelszone haben sich über 700 Unternehmen aus 45 Nationen angesiedelt. Das Emirat Dubai spielt eine wichtige Rolle beim Ausbau der Häfen und betreibt die moderneren Häfen in einem Joint Venture. Dubai Port World (DPW) hat über das Public Private Partnership nicht nur in die Infrastruktur investiert, sondern auch in das Betriebsmodell und die Kompetenzen vor Ort.

Pragmatische Politik

Neben seinen Salz- und Gipsvorkommen wurden in dem Land vor kurzem Öl- und Goldvorkommen gefunden. Neben seiner geographischen Lage ist es also vor allem die Politik, die einen komparativen Vorteil des Landes darstellt, da sie es geschafft hat, sich in den Konflikten der Region weitgehend neutral zu verhalten. Tatsächlich konnte Dschibuti durch seine Position als Logistikhub sogar in verschiedenen Krisen noch unterstützen: Ob Hungerkrisen oder Kriege, sowohl die internationalen Hilfsorganisationen als auch die anderen Parteien brauchten logistische Unterstützung. Seitdem Äthiopien im Krieg mit Eritrea seinen Seezugang verlor, ist der Handel mit Dschibuti weiter enorm gestiegen.

Die Haupteinnahmequellen der Regierung sind heute der Hafen, die Transitgebühren und die Militärbasen. Seit einigen Jahren wird verstärkt auf eine Diversifizierung der Wirtschaft hingearbeitet und versucht, verstärkt Investoren auch in anderen Bereichen anzuwerben. Nach wie vor besteht Handlungsbedarf bei dem Geschäfts- und Investitionsklima (Rang 171 von 185 im Doing Business Bericht der Weltbank) und die Arbeitslosenzahlen sind nach wie vor hoch (ca.60%). Das politische System zeichnet sich dadurch aus, dass es von Kompromissen zwischen den beiden Hauptbevölkerungsgruppen (Somali, Somalisch; Afar) geprägt ist, was seine Stabilität absichert.

Sofern es gelingt, Investitionen in logistiknahen Branchen und den Investitionsschwerpunkten Erneuerbare Energien, Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen anzuziehen, können weitere Arbeitsplätze geschaffen werden mit positiven Auswirkungen auf die sozialen und politischen Realitäten in dem kleinen Land am Horn von Afrika.

Die Handelsbeziehungen zwischen Dschibuti und Deutschland können noch weiter intensiviert werden. Die Statistiken zeigen, dass 2012 die Ausfuhren Dschibutis nach Deutschland etwa eine Million Euro erreicht haben, während die Importe aus Deutschland sieben Millionen Euro betrugen. Die Beziehungen sind immer noch stark durch die Entwicklungshilfe geprägt. In der direkten Hilfe ist Deutschland in den Bereichen der Gesundheitsversorgung aktiv, sowie im Bereich der Berufsbildung. Seit kurzem gibt es eine Kooperation mit der Lufthansa zum Aufbau einer Airline.

Wie der Botschafter von Dschibuti, S.E. Aden Mohamed Dileita vor einigen Monaten bemerkte, bietet Dschibuti große Chancen für deutsche Unternehmen, vor allem in den Sektoren Transport, Logistik. Zudem ist die Entwicklung der Ökotechnik von großem Interesse für das Land. Dschibuti plant, sich 2020 vollständig auf saubere und erneuerbare Energie umzustellen. Dabei will das Land auch für mittelständische Unternehmen attraktiv sein.

Florian Garcia