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"Dschibuti ist mit seiner strategisch günstigen Lage ein sehr interessanter Standort für deutsche Investoren"

(Interview in SOUQ 3/2013)

Dschibuti liegt an der Mündung zum Roten Meer und in der Nähe mehrerer internationaler Schiffsverkehrs-Routen. Diese strategisch günstige Lage macht das Land auch für deutsche Unternehmen höchst interessant. Im Gespräch mit dem SOUQ wirbt Aden Mohamed Dileita, Botschafter des Landes, um Investoren.

SOUQ: Herr Botschafter, wie schätzen Sie die Beziehungen zwischen Deutschland und Ihrem Land ein?

Dileita: Die Beziehungen zwischen Deutschland und Dschibuti begannen bereits nach unserer Unabhängigkeit am 27. Juni 1977. Seit 1978 hat Dschibuti mehr als 18 bilaterale Übereinkommen mit Deutschland unterschrieben - zum Beispiel in der Wasserwirtschaft, beim Polizeitraining oder in der Telekommunikation. Seit dem Jahr 2002 haben sich die Beziehungen intensiviert - auch wegen der alarmierenden Piraterie am Indischen Ozean.

SOUQ: Warum hat Dschibuti 2011 eine Botschaft in Berlin eröffnet?

Dileita: Bevor unsere Botschaft in Berlin eröffnet wurde, repräsentierte unser Botschafter in Paris unser Land in Deutschland.Visa- oder Passanträge mussten deshalb an die Botschaft in Paris gerichtet werden. Mit der Eröffnung der Botschaft in Berlin wurden also die Abläufe wesentlich erleichtert. Im Jahr 2010 besuchten der deutsche Außenminister Dr. Guido Westerwelle und der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel Dschibuti. Der Besuch hat zur Intensivierung der deutsch-dschibutischen Beziehungen beigetragen. Die Botschaft in Berlin wurden im November 2011 eröffnet, um unsere Beziehungen mit Deutschland weiter zu stärken. Wir sehen großes Potenzial für die deutsch-dschibutische Zusammenarbeit.

SOUQ: War der Aufbau der Botschaft mit großem Aufwand verbunden?

Dileita: Im ersten Jahr konzentrierte ich mich auf den Aufbau der Botschaft. Ich suchte nach Räumen und stellte Personal ein. Wir begannen, die Struktur der Botschaft zu organisieren. Das war eine Herausforderung. Bei dieser spannenden Aufgabe erfuhr ich von deutscher Seite große Unterstützung. Die Zusammenarbeit war mir eine Freude. Ich wurde sehr herzlich empfangen. Diese Wärme hat mich auch gut für den kalten Winter gerüstet. Jetzt geht es darum, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Dschibuti weiter zu stärken.

SOUQ: Welche Branchen in Dschibuti haben das größte Potenzial?

Dileita: Der wichtigste Wirtschaftszweig in Dschibuti ist ganz klar die Hafenindustrie. Wir haben den einzigen Hafen am Horn von Afrika. Zwei weitere Häfen werden gebaut. Wir liegen unmittelbar an den Routen zum Roten Meer, Mittelmeer und nach Asien, und wir wollen unsere Kapazität beim Frachtumschlag von drei auf zehn Mio. Container pro Jahr ausbauen.

Auch der Telekommunikationssektor ist wichtig. Im Jahr 2010 wurde Dschibuti an das Ostafrikanische Unterseekabel-System EASSy (Eastern Africa Submarine Cable System) angeschlossen. Es verbindet Ostafrika mit der Welt. Die Verbindung des Landes zum europäisch-asiatischen Glasfasernetzwerk wurde durch die Djibouti Telecom finanziert. Das Kabel verbindet Dschibuti mit 17 Ländern. Dschibuti strebt an, das zweitgrößte Telekommunikationszentrum Afrikas zu werden.

SOUQ: Spielt auch der Ölsektor in Dschibuti eine Rolle?

Dileita: Ja, auch der Ölsektor hat für die Regierung strategische Bedeutung. Investoren aus der Schweiz wollen für eine Mrd. US-Dollar eine Raffinerie in Dschibuti errichten. Die Projektpläne sehen eine anfängliche Kapazität von 70.000 Barrel pro Tag vor, die auf 100.000 Barrel pro Tag erhöht werden könnte. Die Raffinerie wird nicht nur tausend neue Stellen mit sich bringen, sondern auch Dschibutis Energiesicherheit mit zusätzlichen 70 Megawatt (MW) gewährleisten.

SOUQ: Welche Potenziale sehen Sie insbesondere für die Kooperation mit Deutschland?

Dileita: Unser Präsident Ismail Omar Guelleh will Dschibuti zum ersten "grünen" afrikanischen Land durch die Entwicklung von Solar-, Wind- und Geothermie-Energie machen. Deutschland ist bekanntermaßen Vorreiter bei den erneuerbaren Energien. Die Zusammenarbeit zwischen Dschibuti und deutschen Unternehmen bietet deshalb interessante Möglichkeiten. Dschibuti will bis zum Jahr 2020 komplett auf erneuerbare Energien umsteigen.

SOUQ: Welche Kooperationsmöglichkeiten gibt es sonst?

Dileita: Dschibuti ist das Tor zu einem Markt mit über 400 Mio. Einwohnern. Auch deutsche Unternehmen, die in Dschibuti investieren, können von Dschibuti aus den gesamten Markt in Ost- und Südafrika erreichen. Diese strategische Position Dschibutis bietet deutschen Unternehmen sehr gute Investitionsmöglichkeiten. Zudem haben wir Freizonen. Das heißt: Unternehmen können in unserem Land arbeiten und von uns aus exportieren, ohne dass sie Steuern zahlen müssen.

SOUQ: Wie unterstützen Sie deutsche Unternehmen, die sich in Dschibuti engagieren wollen?

Dileita: Deutsche Unternehmen, die 111 Dschibuti investieren wollen, sollten die Botschaft kontaktieren. Ich lade sie herzlich dazu ein, mit mir über ihre Projekte zu sprechen. Auch werden wir im kommenden Jahr gemeinsam mit der Ghorfa ein dschibutisch-deutsches Wirtschaftsforum organisieren. In diesem Rahmen können sich potenzielle deutsche Investoren aus erster Hand über Dschibuti und die geschäftlichen Chancen informieren. Ebenfalls plant die Ghorfa eine Delegationsreise in unser Land.

SOUQ: Was raten Sie deutschen Unternehmen allgemein?

Dileita: Mein Rat an deutsche Geschäftsleute lautet: Besuchen Sie unser wunderbares Land und entdecken Sie die vielfältigen Chancen, die wir bieten. Wir sind ein friedliches Land mit großem Potenzial für ausländische Investoren.